Meine Lieben
Makadi?

Die Zeit vergeht und wir erleben so vieles, was dann folglich hinter uns liegt. Ab und zu schaut man zurück, mit Wehmut, mit Freude … Es sind Gedanken darüber. Es ist die erlebte, vergangene Zeit, die uns prägt und zu dem macht, was wir sind. Für mich wird diese Zeit in Afrika wieder eine Zeit, die mich sehr prägen und in meinem Leben begleiten wird. Es ist ein wunderschönes Land, genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Noch immer berührt mich das Licht der untergehenden Sonne. Es beginnt ab 16 Uhr, es wird goldig-warm-scheinend und die Schatten fallen tiefer und tiefer. Es ist als trage man eine stark getönte Sonnenbrille. Ich empfinde dabei ein Gefühl von Leichtigkeit, Hingabe und Vollkommenheit. Ab 18 Uhr ist Sonnenuntergang, den man in Silveira durch die vielen nun grün gewordenen Schirmakazienbäume erlebt und um 19 Uhr ist es stockdunkel. Das hat damit zu tun, dass wir nahe am Äquator sind. Oftmals gehe ich während dieser Zeit auf einen hohen Stein mit Aussicht auf die umliegenden Rundhäuser, wo zu dieser Zeit Feuer gemacht wird. Manchmal mit dabei 2, 3, 4 Kinder vom Waisenhaus: Virginia, Simba, Andy, Moses und Annah. Noch immer berühren mich die Gesänge der Schüler in den frühen Morgenstunden von der Kirche her. Oder am Sonntagsgottesdienst in der in zwei Etappen gehaltenen, überfüllten Kirche. Um 6.30 für die Schüler und um 8.30 für die übrigen von nah und fern mit ihren schönsten Kleidern/Tücher oder Uniformen aus verschiedenen Vereinen. Während der Messe wird sehr viel gesungen, dazu bewegen sie sich rhythmisch in den farbenfrohen Kleidern und mit einem Strahlen in ihren Gesichtern. Ich erlebe dies als einzige Weisse jeweils als ein grosses Fest mit anschliessender Dorfbesprechung in der Kirche über dies und das (lass ich mir aus Schona ins Englisch übersetzen). Es wird gelacht oder man wird richtig ernst, je nachdem. Ich kenne inzwischen sehr viele und muss immer wieder sagen, ich mag die Menschen hier. Nach der Kirche sitzt man unter den Bäumen (natürlich am Boden oder auf ihren mitgebrachten Tüchern) und es wird gelacht und gesungen. Seit dem letzten Samstag wohne ich in einem eigenen kleinen Haus, das Guesthouse. Immer wieder haben wir in Silveira keinen Strom, was manchmal 2 bis 3 Tage andauert und Internet auch nur begrenzt im Hospital. Im kleinen GH gibt es keine Notstromversorgung, d.h. ab 19 Uhr Taschenlampe, Kerzen oder früh ins Bett, da es ab 5 Uhr wieder hell wird. Im kleinen Kühlschrank wird alles warm und den Kaffee koche ich auf dem Camping Gaskocher. Schlimmer war es letzte Woche, da hatten wir 4 Tage lang kein Wasser. Unser Gärtner Evans konnte per Auto bei einer Quelle weit in den Bergen Wasser in Flaschen und Kanistern abfüllen. Das Duschen bei Tagen bis 30 Grad war dann nicht möglich. Das war für mich eine harte Probe. Für die, die ringsum Silveira im Busch leben, ist das Alltag. Vor diesen 4 Tagen war ich für 2 Tage im Busch in einer Rundhaussiedlung eingeladen bei einer Waisenhausmutter, Annah. Es war ein aussergewöhnliches, unvergleichbares Erlebnis. Man lernt die ganze Familie kennen und es ist für sie eine grosse Ehre „weissen“ Besuch zu haben. Sie bedanken sich sehr und geben dir alles, so wurde denn auch ein Huhn für mich geschlachtet. Auch das einzige „Bett“ war für mich gedacht, ich teilte es dann mit Annah und ihrem Baby. Das Wasser wird in Kübeln in einem Wasserloch geholt und auf dem Kopf hergetragen. Die Leute im Busch haben fast nichts, es sind Bauern. Jetzt pflanzen sie Mais, da in ein paar Tagen der Regen endlich anfangen sollte, Mais zum Überleben. Es ist sehr trocken und das Wasser wird knapp. Wir liefen in der späten, eben der atemberaubend schönen Afrika Abendsonne über Hügel mit hohen Steinformationen. Unterwegs begegneten wir einem Mann, der noch ärmer als arm war, er hat für seine Familie nur ein kleines Feld für Mais und so hackte er zwischen Steinen nach Erde, um da noch ein bisschen anpflanzen zu können. Er war so herzlich und ausser sich, mich zu sehen. Es stellte sich raus, dass er kein Geld mehr hatte für mehr Maissamen. Ja so geht das immer wieder. Sie beginnen mal und hoffen auf ein Wunder. Ich war sein Wunder an diesem Abend, sein Engel, geschickt von Gott, wie er mich nannte. Ich bezahlte ihm die 24$ für den Maissamen. Das sind Geschichten, wie ich sie sehr oft erlebe. Weiter auf dem Weg besuchten wir dann noch eine Schwägerin in einer noch kargeren Gegend, mein Gott. Da lag in einer Rundhütte ein Junge von 9 Jahren, Davis, im Schmutz in einem Zustand wie es Nina war. Er reagierte und strahlte. Ich gab ihm etwas zu Essen und es brach mir fast das Herz. Es stand da ein Sportrollstuhl, der mehr als defekt war und für dieses Gelände untauglich. Die Eltern, beide HIV positiv, Davis eventuell auch. Eine ältere Tochter lebt bei der Grossmutter. Sie hoffen, dass ich ihnen helfen kann. Ich kann leider nicht, eine Spezialschule sehr weit weg und würde sehr viel kosten. Für die Kosten aller Schüler müssen die Familien selber aufkommen, der Staat gibt dafür kein Geld. So können lange nicht alle Kinder zur Schule. Für diesen Jungen versuche ich nun einen Platz im Waisenhaus, zumindest für eine Woche pro Monat, zu arrangieren. Als Versuch, mit Therapie im Hospital und durch mich. Aber falls er HIV positiv ist, bekomme ich die Erlaubnis kaum. Also komm Zita, was sind da schon 4 Tage ohne Wasser aus der Leitung? Die meiste Zeit verbringe ich aber im Waisenhaus mit den inzwischen 13 Kindern verschiedenen Alters. Letzten Freitag brachte ein Vater einen 12 Tage alten Jungen ohne Namen verzweifelt ins Hospital und dann zu uns. Die Mutter war während der Hausgeburt alleine und gestorben. Ich durfte dem kleinen Säugling einen Namen geben, er heisst nun Francis. Er ist sooo winzig aber sehr fit, zum Glück. Wusstet ihr, dass alle Babys mit heller Haut auf die Welt kommen und erst nach einigen Stunden dann schwarz werden? Ich durfte einmal bei einem Kaiserschnitt im OP mit dabei sein und habe so dieses Wunder miterlebt. Mit starken Gewittern hat die Regenzeit nun definitiv angefangen. Alle sind froh und der Mais kann wachsen. Es ist kalt, ich ziehe Socken an und nachts brauche ich eine Wolldecke. Aber es soll nächste Woche scheinbar wieder warm werden. Nächstes Mal werde ich vom Alltag und den Kindern im Waisenhaus berichten. Bis dahin, herzlich aus Silveira, Zimbabwe.

Kwaziwai (seid gegrüsst)
Eure Zita